Finding Douglas David Holmes

Ich sitze im Flugzeug nach Chicago, um einen längst verstorbenen Großvater zu finden, den ich nur aus einer Kiste kenne. Die Metallkiste mit den blau, gelb, weißen Blüten drauf im Arbeitszimmer meiner Mutter. Die Metallkiste, mit den unausgesprochenen Wahrheiten. Die Metallkiste mit Geschichten, nach denen keiner zu fragen wagte. Die Metallkiste, die beim Öffnen quietschte…

Weiterlesen

California Dreamin‘

Die Ehe meiner Eltern dauerte nicht ganz zwei Jahre, dann war sie am Ende und mein Vater mit seiner neuen Frau in Amerika. Keiner war unglücklich, ich blieb bei meiner Mutter und einem neuen Vater, während das Original, samt Ehefrau Nummer Zwei und einem Stiefsohn namens Itha, nach Kalifornien zog. Der Kontakt während Frau Frankys…

Weiterlesen

American Love Story

Als ich noch klein war, arbeitete meine Oma bei AAFES in der Augsburger PX, also im Supermarkt auf dem Kasernengelände, für die amerikanischen Soldaten und ihre Familien. Ab und zu durfte ich mitkommen und war selig zwischen all dem bunten Plastic Fantasic und der amerikanischen Pizza, die nichts mehr mit dem italienischen Original gemein hatte.…

Weiterlesen

Renitente, rauchende Kinder

Recht früh sehr neugierig auf die Laster des Lebens, hatte ich pünktlich zum Ende meines zwölften Lebensjahres, Zigaretten für mich entdeckt. Der Einstieg war heiser, holprig, von viel Husten begleitet und schmeckte scheiße, aber dank meines stark ausgeprägten Ehrgeizes in den wenig gesundheitsförderlichen Lebensdisziplinen, blieb ich eisenhart bei der Sache, übte hartnäckig und hatte es…

Weiterlesen

CAPTAIN‘S DINNER

Ich muss so um die 18 gewesen sein, als meine Mutter für ein paar Tage wegfuhr. Wohin weiß ich nicht mehr, nur dass die jugendliche Freude über nahende Sturmfreiheit mich schier schwindelig machte. Um meinen zahlreichen Verpflichtungen als leicht renitente Spät-Teenagerin gerecht zu werden, schwänzte ich mit einer Freundin umgehend die Schule. Weil das noch…

Weiterlesen

Der Tag, an dem ich erwachsen wurde.

Wir waren in Frankreich gestrandet, auf dem Rückweg von irgendwo in einen Zugstreik geraten. So saßen wir mit unseren Rucksäcken gequetscht zwischen hunderten, anderen Pluderhosenträger*innen am Bahnhof und warteten seit unzähligen Stunden auf einen Zug, der vielleicht niemals mehr kommen würde. Als er dann doch einfuhr, sollte die achtfache Menge an Fahrgästen einsteigen und es…

Weiterlesen

Dem Capital sein Bra

Die Vögel zwitschern und Irrsinn sprießt an jedem Baum. Ein endloser Dialog mit dem Innen – weil das Außen ja leider geschlossen hat – treibt kuriose Blüten. Samstagnachmittag, einst gefeiertes Epizentrum von Dolce Vita und Müßiggang, ist zum abzuarbeitenden Versorgungsauftrag geworden. Schlendern war gestern, Schlendrian ist ausgewandert. Irgendwo zwischen Survival Training und Safari werden effizient…

Weiterlesen

Erschüttert, nicht gebrochen.

Rewind & repeat. Gefangen in der endlosen Wiederholung pragmatischer Regulierungsmechanismen gehe ich ins Bett. 23 Uhr, Zähne geputzt, Nachtcreme aufgespachtelt und eingeklopft. Ich liege im Bett. Das letzte To-do des Tages, bevor die Brille weg- und die Blindheit ankommt, ist englischer Regen. Jeden Abend fällt er aus meinem Handy auf den Tinitus, den ich als…

Weiterlesen

Weckt mich nächsten Sommer!

Die Sonne scheint und es scheint, als hätte der Tag auf Pause gedrückt. Genau so lange, bis sich mein Hirn wieder einschaltet und durch die zwitschernde, angenehm temperierte Zuckerwatte vor dem Fenster funkt, dass der Frühling trügt und immer noch alles beim apokalyptischen Alten ist. Das soll den Genuss dieses nahenden Sommers nicht schmälern, denn…

Weiterlesen